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2011
Preissteigerung und
Klimaprobleme


März 2011:Preisexplosion
Die Preise der Grundnahrungsmittel wie Zucker, Fleisch, Kartoffeln, Öl, Reis, Brot steigen! Die Löhne reichen nicht mehr, um die Kosten eines würdigen Lebens zu decken.
Zwei Beispiele:

  1. Der Preis für Zucker stieg in wenigen Monaten um 100 Prozent - von 4,50 auf 9 Bolivianos. 
  2. Im öffentlichen Busverkehr steigerten sich die Fahrtpreise innerhalb der Städte um 50 Prozent - von 1,00 Bs auf 1,50 Bs.

Die Bevölkerung reagierte mit Demonstrationen.


Februar 2011: Klima spielt verrückt

  1. Die Regenzeit hat sich in dieser Periode von November auf Januar verschoben.
    Dafür kam sie umso heftiger, mit Überschwemmungen im Tiefland und Erdrutschen im Gebirge.

  2. In der Trockenzeit von April bis November fehlt dafür das Wasser zum Leben. In der Vergangenheit konnte sich die Menschen von Independencia darauf verlassen, dass der Fluss Palca in der Trockenzeit 1500 Liter Wasser pro Sekunde führt. Letzten November, führte der Fluss nicht einmal 20 Liter Wasser pro Sekunde. Die 3000 Einwohner hatten täglich nur drei Stunden Wasser – eine drastische Rationierung, die die vorherigen Generationen nicht kannten.

"Es wird Zeit daran zu denken, dass wir in 10 bis 15 Jahren in der Trockenzeit gar kein Wasser mehr bekommen werden," meint Jorge Aquino, vom Centro Culural.

 

  

8. September 2010:
Ausstellung im Gimmeldinger Rathaus eröffnet.
     Wie riecht und schmeckt Bolivien?

 

Gäste bei der Eröffnung im Rathaus
Öffnungszeiten: 4. - 12. September täglich 20 - 22 Uhr

 

Musik in geselliger Runde auf dem Kirchplatz
Eröffnungskonzert der Europatournee von Sacambaya
Samstag, 11. September ab 18.oo Uhr in Gimmeldingen
.

 

 

„Das neue Bolivien" ein Buch von Robert Lessmann (erschienen 2010)

Was für ein Land! Von den  spanischen Eroberern ausgeplündert, die Menschen zu Tausenden in den Berg­werken, praktisch versklavt und lange ohne Wahlrecht und Chan­cen auf Bildung und sozialen Auf­stieg. Seit 1825 unab­hängig von der spanischen Krone, aber immer wieder von politi­schen Rückschlägen und Diktaruren heimgesucht. Erst 181 Jahre nach der Un­abhängigkeit gelingt es einem Hochlandindio, in den Präsidentenpalast einzuziehen: Juan Evaristo Mora­les, der schon als Kind nur „Evo" geru­fen wird. Seine Geschichte ist erzählenswert, weil sie viel über sein Land verrät: Der Sohn einer armen Bauernfamilie wächst auf 4000 Höhenmetern im Altiplano auf, dem kargen Hoch­land Boliviens, wo außer Kartof­feln, Mais und Quinua kaum etwas wächst. Vier von sechs Geschwistern sterben im Kindesalter. Als junger Erwachsener zieht Morales in die Region Chapare, ein Lebensweg, den auch heute noch viele Hochlandbewohner wählen. Er baut Koka an, um besser über die Runden zu kommen. Schließ­lich wird er Anführer der Bewe­gung der Kokabauern und Abge­ordneter. An der Spitze der Partei MAS („Bewegung zum Sozialis­mus") gewinnt er die Wahlen 2006 und wird Präsident. Morales hat Bolivien in den vergangenen Jahren gegen alle in­neren und äußeren Widerstände umgekrempelt. Der Politologe Robert Lessmann analysiert den einen eigenen Politikstil von Morales, dessen Macht und Einfluss sich auf die Bauerngewekschaft bzw. die Mehrheit der indigenen Bevölkerung stützt. Morales baut das Land mit Volksabstimmungen um und stößt die Mächtigen der rei­chen Regionen im Tiefland vor den Kopf, die fast 200 Jahre lang die Pfründe untereinander aufge­teilt haben. Bolivien ist zwar weiterhin das ärmste Land Südamerikas, doch die Regierung kann Erfolge vor­zuweisen: Staatliche Programme zielen darauf, das Land vollständig zu alphabe­tisieren. Amtliche Papiere wer­den allen ausgestellt, die bisher keine besaßen und somit auch vom Staat nichts zu erwarten hat­ten. Dass Morales trotz gelegentli­cher verbaler Fehltritte auch in­ternationalen Rückhalt hat, liegt zu einem guten Teil an seinem Vi­zepräsidenten Alvaro Garcia Linera, dessen abenteuerliches Leben ein kleines Porträt umreißt. Less­mann kennt Bolivien nicht nur auffallend gut, es gelingt ihm auch, Geschichte, Kultur, Politik und Wirtschaft spannend zu be­schreiben und das Land so zu er­klären.

angelehnt an eine Rezension von F.Ehring in der Frankfurter Rundschau (30.5.2010)

 

 


Lithium aus Bolivien  (2010)

Die Zukunft gehört den Elektrofahrzeugen oder der Brennstoffzelle und vielleicht auch Bolivien. Kernelement eines Zukunftsautos sind leistungsfähige Batterien und da haben Lithiumzellen die Nase vorn.
Aber - Lithium ist selten und daher teuer. Genau hierin liegt die große Chance für Bolivien. Auf der Hochebene des Altiplano liegt eines der größten Lithiumvorkommen der Erde. Ein riesiger Salzsee enthält große Mengen des Alkalimetalls. Bolivien hatte mehrmals in seiner Geschichte die Chance von seinen Bodenschätzen zu profitieren, doch nie kam etwas bei den einfachen Bürgern an. Alles verschwand in den Taschen einiger Reicher bzw. im Ausland. Doch diesmal wird alles anders - hoffentlich!

 

 

Migration

Aus der Provinz Ayopaya wanderten in den letzten 10 Jahren ungefähr 2000 Personen ab, davon allein 600 aus der Distrikthauptstadt Independencia. Das entspricht einem Fünftel der Bevölkerung.

Insgesamt leben fast drei Millionen Bolivianer im Ausland, dabei belegt Spanien den ersten Platz, gefolgt von Brasilien, Argentinien und Mexiko.  70 Prozent der Migranten sind Frauen - Mütter, die ihr Land verlassen und ihre Kinder mit den anderen Familienangehörigen zurück lassen. Damit steigt das Auseinanderbrechen von Familien. Die meisten Fauen (40%) arbeiten im Dienstleistungsbereich (Haushalt), 23% in Fabriken. Viele arbeiten illegal und werden entsprechend ausgenutzt.

Bild: Noemi nach der Rückkehr, mit ihren beiden Töchtern
Quelle: Carlos Aquino

 

Rückblick

Präsident kaut Koka vor der UNO

Eine flammende Rede für die Legalisierung des Kauens von Kokablättern hat Boliviens Präsident Evo Morales heute bei der Eröffnung der 52. UNO-Drogenkommission gehalten. Er sprach von einem "historischen Fehler" in der UNO-Liste der Suchtgiftmittel, der dringend behoben werden müsse. Die Pflanze sei keine illegale Droge, sondern ein Medikament, beispielsweise gegen Diabetes.
Das Kauen von Kokablättern sei Teil der jahrtausendealten indigenen Kultur, das Verbieten würde ein Menschenrecht verletzen, argumentierte der Politiker, der bei seiner Rede ein Blatt in die Höhe hielt, das der diskutierten Pflanzen zumindest zum Verwechseln ähnelte. Das Kauen der Kokapflanze führe nicht zu Abhängigkeit und müsse daher von der Liste gestrichen werden.
Sonst müsse man auch ihn als Präsidenten ins Gefängnis steckten, unterstrich Morales mit einer Anspielung auf seinen eigenen Kokablattkonsum sein Anliegen. Er habe davon, wie man sehe, keinen Schaden davongetragen oder sei "wahnsinnig" geworden.

Quelle: ORF

 

 

Thomas Henrich, FKKM, Kirchenbezirk Obermoschel,  | gefördert vom "Evangelischen Entwicklungsdienst"